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Recht so! Folge 3: Benötige ich ein Testament?

Häufig werden wir in unserer Beratungspraxis mit der Frage konfrontiert, ob die Erstellung eines Testamentes oder einer anderen letztwilligen Verfügung überhaupt notwendig ist. Solche anderen letztwilligen Verfügungen können etwa ein Erbvertrag sein, oder ein sog. „Berliner Testament“, ein gemeinschaftliches Testament. Diese Gestaltungsformen stellen wir in anderen Folgen unserer Rubrik vor.

Die Ratsuchenden fragen auch, was sie denn in einem Testament oder einer anderen letztwilligen Verfügung überhaupt inhaltlich anordnen können. Wer ein Testament errichtet, will oft ganz konkrete Dinge erreichen, etwa bestimmte Personen begünstigen oder ausschließen.

Bei einer erbrechtlichen Beratung wird Ihr Anwalt daher zunächst Ihre verwandtschaftlichen Verhältnisse und einen etwaigen ehelichen Güterstand erfragen. Denn auch dann, wenn eine Person ohne ein Testament verstirbt, wird jemand Erbe. Es gibt nämlich eine gesetzliche Erbfolge. Manchmal wollen Ratsuchende Regelungen erzielen, die dieser gesetzlichen Erbfolge entsprechen. Dann wird auch kein Testament benötigt. Will der Ratsuchende jedoch von dieser Erbfolge abweichen, ist ein Testament oder eine andere erbrechtliche Verfügung erforderlich.

In ein Testament oder eine andere letztwillige Verfügung können ganz unterschiedliche inhaltliche Regelungen aufgenommen werden. Oft stellt sich bei nicht beratenen Mandanten im Nachhinein heraus, dass ihr eigenhändig erstelltes Testament in inhaltlicher Hinsicht leider Mängel und Ungenauigkeiten aufweist, die vermeidbar gewesen wären. Die Probleme treten auf, weil die Testierenden zwar glauben, eine eindeutige Regelung zu treffen, diese jedoch in Wirklichkeit mehrdeutig ist. Das liegt daran, dass oft eine laienhafte Sprache verwendet wird.

Beispiel:
In einem Testament steht, dass der Neffe „das Haus haben soll“. Damit kann Unterschiedliches gemeint sein. Soll der Neffe Erbe sein? Oder soll ihm nur ein Vermächtnis zustehen? Der Unterschied ist wichtig und gravierend, denn der Erbe wird mit Eintritt des Erbfalles automatisch Eigentümer des Hauses, der Begünstigte eines Vermächtnisses aber nicht, er muss seinerseits erst die Eigentumsübertragung von den Erben einfordern.

Beispiel:
Der einsame Erblasser will seinen Hund versorgt wissen und setzt diesen als Erben ein. Das geht nach deutschem Recht nicht – wenn die Versorgung des Haustieres geregelt sein soll, muss ein Erbe mit einer Auflage belastet werden! Wenn die Erfüllung der Auflage kontrolliert und überwacht werden soll, ist ggf. an die Einsetzung einer Testamentsvollstreckung zu denken!

Natürlich gibt es weitaus mehr Gestaltungsmöglichkeiten als die oben nur beispielhaft genannten. Ihr Anwalt kann Sie hierzu beraten und vorhandene testamentarische Regelungen überprüfen.

 

Zuständig für das Referat Erbrecht: Rechtsanwalt Stephan Schilling
Schilling, Peters GbR | Rechtsanwalts- und Steuerkanzlei | 76297 Stutensee

28.03.2017 | Erbrecht

Recht so! Folge 3: Benötige ich ein Testament?

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